From Zero to Local Hero: Rob Ribeiro im Interview

Rob Ribeiro hat viele Gesichter. Mal spielt er in einer Band, mal sitzt er hinter den Reglern, das andere Mal organisiert er Konzerte und teilweise ist er auch die Stimme im Radio. Und das alles neben seinem Job. Es war also dringend an der Zeit, dem Portugiesen mal auf den Zahn zu fühlen.

Rob, du bist einer der aktivsten Personen in der Freiburger Szene: du organisierst Shows für Lucky Booking, hast eine eigene Radiosendung, baust gerade ein Label auf, nimmst Bands auf und spielst auch selbst bei Twice A Day. Hab’ ich was vergessen?
Nein. Wobei: Ich bringe bald eine Kassette mit eigenen Songs raus, zusammen mit einem Künstler aus Münster namens And A Ghost.

Haha, ok. Ich war mir sicher, dass ich alles auf dem Schirm hatte. Wie bekommt man das denn alles unter einen Hut?
Äh, schwierig. Neben meinem Bett steht eine Tafel, wo ich eine riesige To-Do-Liste drauf habe und daneben noch ein Kalender (lacht). Ich muss also ständig aktuelle Sachen aufschreiben, dann mit verschiedenen Farben nach Prioritäten sortieren und so schauen, dass ich alles unter einen Hut bekomme. Trotzdem schwierig. Deshalb habe ich auch meinen Fulltime-Job als Kindergärtner inoffiziell gekündigt.

Heisst das du konzentrierst dich jetzt voll und ganz auf die vorhin genannten Projekte oder suchst du dir wieder einen anderen Job?
Ich suche mir auf jeden Fall wieder einen Job, aber nur auf 400€-Basis und am liebsten als Tontechniker für Live-Konzerte. Vielleicht habe ich da auch schon etwas in Aussicht. Dann werde ich noch weiterschauen, wo ich sonst noch Jobs bekomme. Mein Haupteinkommen wird dann aber schon übers Live-Konzerte-Mischen und Bandaufnahmen kommen.

Ok, klingt nach spannenden Zeiten für dich. Wie hat denn das für dich hier in Freiburg angefangen? Du kommst ja ursprünglich nicht aus der Breisgau-Metropole.
Ich bim am 10. Juli 2006 mit meiner damaligen Band Fed Up 74 nach Freiburg gekommen. Wir wollten eigentlich nur sechs Monate hier bleiben.

Haha, hat ja prächtig funktioniert.
Im Grunde wollten wir hier herkommen, zwei bis drei Gigs spielen…  eine Art Abenteuer unter Kumpels. Wir waren ja alle erst 20. Der Bruder von Tiago, dem Gitarristen, hat bereits hier in Freiburg gewohnt und uns geholfen verschiedene Dächer über dem Kopf zu organisieren. Der Plan war eigentlich auch, einige Songs im Tonstudio aufzunehmen, aber es war noch nicht fertiggebaut. Und dann hieß es noch einen Monat, und noch einen Monat, und ein weiterer Monat usw…

Und darüber hast du dann die ersten Connections in Freiburg geknüpft, gerade was Konzert-Organisation usw. betrifft? War die Band der Startpunkt dafür?
Damals nicht. Da war erstmal das Ziel andere Musiker und Bands kennenzulernen, so wie Twice A Day, Jacuzzi Pirates oder Bowel Function.

Ok gut, aber die ersten Kontakte kommen demnach aus dieser Zeit.
Genau. So haben wir natürlich auch Freiburg und die Szene hier kennengelernt.

 

»Mit diesen Worten konnte ich mich identifizieren: Ich bin schon immer ein Träumer gewesen«

 

Dein neuestes Projekt ist ja das Label „Active Dreamer Records“. Was kannst du vorab schon erzählen? Es ist ja quasi noch in der Vorbereitungsphase und noch nicht offiziell. Wer versteckt sich alles hinter dem Namen?
Active Dreamer ist eine Idee, die ich bereits vor sechs oder sieben Jahren hatte. Damals habe ich das Ganze auf Eis gelegt, weil mir die Ausbildung als Erzieher wichtiger war. Nun habe ich das aber wieder an den Start gebracht und davon meinem Kumpel Gunar Gürgens erzählt, der direkt von der Idee überzeugt war. Er übernimmt seither die Business-Seite, hat auch Musik-Business studiert und mittlerweile studiert er noch Wirtschaft oder sowas in der Art. Ich bin für die Bandfindung zuständig: Was wollen wir veröffentlichen usw…. Ich bin quasi der Kontakt zu der Szene und schaue, was Sinn macht.

Wo kommt denn der Name her? Spontan würde ich sagen er kommt von „never give up your dreams?“ War ein eigenes Label schon immer ein Traum von dir/euch?
Es war für mich immer ein Traum die Musik in all ihren Formen selbst auf die Beine stellen zu können, deshalb habe ich auch so viele unterschiedliche Projekte. Vor sechs Jahren, als mir diese Idee kam, habe ich einen Text über Vorurteile/Klischées der verschiedenen Völker in Europa gelesen. Darin stand, dass die Portugiesen schon immer aktive Träumer waren, was heutzutage nicht mehr ganz zutrifft, würde ich behaupten. Aber mit diesen Worten konnte ich mich identifizieren: Ich bin schon immer ein Träumer gewesen. Die Leute haben immer zu mir gesagt:“ Du bist ein Träumer, du träumst doch nur“.

Speziell auf Musik und Bands bezogen oder allgemein?
Allgemein. Ich hab’ nie aufgepasst. Aber ich war immer jemand, der diese Träume auch umsetzen wollte und das auch so gemacht hat: deswegen „Active Dreamer“. Ich möchte bei diesem Projekt mit anderen Leuten arbeiten, die auch so sind, die nicht nur träumen, sondern auch die Ideen umsetzen.

Gibt es schon erste Label-Bands, die ihr in Aussicht habt, oder welche die du bereits nennen kannst?
Für mich steht jetzt erst einmal im Vordergrund Erfahrungen zu sammeln, bevor ich viel investiere – step by step quasi. Wir haben die erste Veröffentlichung für Juli geplant. Es wird eine EP von Pascal Bonnard, einem Kumpel von mir. Er hat alles selbst finanziert und suchte eine Plattform, über die er seine Musik veröffentlichen und auch verkaufen kann. Deswegen ist es die erste „passive“ Release, bei der es uns im Gegenzug darum geht einen Label-Code zu bekommen, frei nach dem Motto „Eine Hand wäscht die andere“.

Was sind denn so sonst eure Ziele. Wo wollt ihr hin mit dem Label? Wollt ihr regionale Bands pushen, oder auch internationale Bands organisieren?
Es ist erstmal regional angedacht. Als ich bei Lucky Booking angefangen habe, habe ich bemerkt, wie viele lokale Bands aktiv waren, wieviel sie getourt sind, und was für gute Musik diese veröffentlicht haben. Solche Bands könnte ich dann z.B. mit dem Label unterstützen. Mittlerweile sind diese Bands aber schon versorgt, und auch hier hätte ich dann nichts gegen eine Kooperation z.B. mit No Panic! Records, oder Gunner Records einzuwenden. Mal schauen, wie es jetzt läuft. Die Musik aus Freiburg steht aber im Vordergrund. Diese Instanz, ein Punk/Hardcore/Singer-Songwriter/Indie Label, das kleine Bands unterstützt, fehlt hier einfach.

Ich bin echt gespannt, das klingt sehr zielstrebig! Du sprichst ja von Regionalität und auch von der Szene in Freiburg. Was gefällt dir an der Szene hier denn?
Wie schon gesagt: Gute Bands. Ich glaube es gibt auch noch viele Top-Bands hier, die ich noch nicht kenne. Was hier noch ein bisschen fehlt ist der Zusammenhalt, aber es hat sich in letzter Zeit schon eine Community durch Lucky Booking entwickelt und ich hoffe, dass sie weiter wächst. Das gefällt mir, dass Musiker viel miteinander machen, Konzerte organisieren und was für die Szene tun. Ich denke, dass ist eine Voraussetzung dafür, dass eine Szene überhaupt wächst.

 

»In allen Städten der Welt, wo auch große Szenen entstanden sind, hat es immer mit Bands und Musikern angefangen, die etwas machen wollten und die Sache in die eigene Hand genommen haben. Aktive Träumer eben. «

 

Man hat schon auch das Gefühl, dass momentan die Szene wächst. Gerade auch Desaster Booking ist aktiver denn je, und es gibt noch viele andere Organisatoren wie die Slacklinecityshows, Seafood Shows oder die ganzen kleinen Venues hier. Der Startpunkt ist, zumindest habe ich das Gefühl, immer eine Band, die damit beginnt eigene Shows zu organisieren. Irgendwann wird daraus mehr oder sogar ein Booking-Label.
Genau. Ich glaube in Freiburg gab es schonmal eine Zeit, in der viele Bands am Start waren, die immer nur gemeckert haben, dass es hier scheiße ist und dass es keine guten Locations gibt. Heutzutage sieht man Musiker, die dagegen etwas unternehmen und sich nicht nur beschweren. In allen Städten der Welt, wo auch große Szenen entstanden sind, hat es immer mit Bands und Musikern angefangen, die etwas machen wollten und die Sache in die eigene Hand genommen haben. Aktive Träumer eben.

Gibt’s denn auch etwas, das dich hier stört?
Wie gesagt: Manche Bands sind nicht so Community-Orientiert, schauen nur auf sich und versuchen sich dadurch manchmal selbst besser herauszuheben. Diese blöde Konkurrenz-Idee, die nix bringt und viel mehr kaputt macht.

Das stimmt, dieses Konkurrenz-Denken ist mit das Schlimmste was existiert, weil man einfach viel weiter kommt, wenn man miteinander anstatt gegeneinander arbeitet… Das kann man ja direkt auf dein Label zurückführen, weil du ja schon sagtest „Eine Hand wäscht die andere“. Die Band bringt was mit ein und ihr helft ihnen als Gegenzug bei anderen Punkten. Das funktioniert ja bereits nach diesem Prinzip.
Exakt, wenn jeder seine kleine Aufgabe erledigt, ändert sich auch etwas im Allgemeinen.

Das war es dann eigentlich auch schon. Als Abschluss gibt es immer noch die fiese Aufgabe: Beschreibe Freiburg in einem Wort.
Da muss ich kurz überlegen…Ich verbinde Freiburg mit „land of opportunities“, oder mit einem Feld, dass fruchtbar ist, aber noch nie geerntet wurde. Man muss nur etwas säen. So ein bisschen wie die Menschen damals, die auf einen anderen Kontinent ausgewandert sind und gesehen haben, dass sie dort etwas Neues aufbauen können. Das ist für mich Freiburg, es gibt so viele Möglichkeiten.

Das wäre dann ja auch das Wort: Möglichkeiten!
Stimmt. Hier ist einfach noch so viel „frei“. Es ist nicht so wie in Berlin oder Hamburg, wo es schon tausende Bands, Labels und Venues gibt. Es ist einfach noch genug Platz, um etwas Eigenes zu machen.

Nicht schlecht die Antwort, das passt wie die Faust aufs Auge. Ich danke dir für das ausführliche Gespräch und wünsche deinen Projekten, vor allem dem Label, alles Gute und viel Erfolg! Man sieht sich bei der nächsten Lucky Booking Show!

SPREAD
Share on FacebookTweet about this on TwitterGoogle+share on TumblrPin on PinterestEmail to someone

One reply on “From Zero to Local Hero: Rob Ribeiro im Interview

Kommentieren

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *