Interview mit Proudly Ugly

Die Qual der Wahl: Tonstudios. Welches ist für meine Band geeignet, wo fühlen wir uns wohl und wo erzielen wir vor allem das beste Ergebnis? Jeder der schonmal eine EP oder ein ganzes Album aufgenommen hat, weiß, wie nervig alleine schon diese Suche sein kann, und dann ist die Scheibe noch nicht aufgenommen. Bands reisen hierfür oft hunderte von Kilometern, schlafen, essen, leben ein paar Wochen im Studio, prügeln sich mit dem Produzenten, oder haben die Zeit ihres Lebens. Im Freiburger Raum (Waldkirch) gibt es die Proudly Ugly Studios. Wir haben uns mit dem portugiesischem Inhaber Tiago Fernandes zusammengesetzt und ihn ein wenig über den Studioalltag ausgequetscht, aber lest selbst.

Hallo Tiago, wir steigen direkt mit ein paar Facts ein, wann habt ihr euch gegründet?
Hey, uns gibt es nun seit zwei Jahren.

Und woher stammt der Name „Proudly Ugly“?
Die Idee stammt von Jop (Joao Moreira). Früher hießen wir „Sound Collection“, aber das klang irgendwie komisch und so haben wir beschlossen das zu ändern. Der alte Name passte auch nicht wirklich zu unserem Konzept mit Video & Audio und Jop hatte „Proudly Ugly“ schon seit Jahren im Kopf, er wollte sogar schon Shirts mit dem Slogan bedrucken. Ich war sofort einverstanden damit und somit war der Name „Proudly Ugly“ beschlossene Sache.

Woher kam überhaupt die Idee, ein Tonstudio zu gründen?
Als ich 10 Jahre alt war, habe ich angefangen Gitarre zu spielen und auch gleich immer alles aufgenommen, was ich gespielt habe. Ich hatte von Beginn an die Idee, komplette Songs zu schreiben. Als ich mit meiner Band (Fed Up 74) Jahre später nach Deutschland kam und in einem Tonstudio hier in Freiburg landete, habe ich zum ersten Mal ein Mischpult, Pre-Amps und anderes Studio-Equipment gesehen. Das war er, dieser eine „Oh, das muss ich unbedingt auch machen“-Moment. So entstand damals die Idee ein Produzent mit eigenem Tonstudio zu werden.

Proudly Ugly ist jedoch kein „klassisches“ Tonstudio, sondern ihr produziert ja auch noch darüber hinaus Videos. Wie kann man sich das vorstellen?
Wir nehmen in unserem Studio auch Live-Sessions auf, also Videos mit eigenem Audio-Recording, jedoch ist momentan auf Grund diverser Aufnahmen sehr wenig Zeit dafür.

Aber das machst du ja nicht alleine. Wer steckt denn alles hinter Proudly Ugly?
Proudly Ugly sind Jop und ich. Alles, was mit Audio-Aufnahmen zu tun hat, übernehme ich und alles aus dem Bereich Video ist Jop’s Aufgabe.

Ich merke schon, ihr seid da klar strukturiert. Was geht denn aktuell im Studio?
Zur Zeit sind „Dead Cats On Mopeds“ und „Shock By The Gun“ bei uns. „Stereo Drama“ sind seit letzter Woche fertig und als Nächstes kommen noch „the Deadnotes“ dazu und nehmen ein ganzes Album auf.

Wow, da ist gerade Einiges im Gange. Auf welche Aufnahmen bist du denn besonders Stolz, bzw. welche Platte ist bisher das „Aushängeschild“ von Proudly Ugly?
Stereo Drama, eindeutig. Die Platte wird momentan noch in den USA gemastert und erscheint evtl. in zwei bis drei Monaten. Diese Aufnahmen sind seit the Deadnotes und Redensart bisher das beste Ergebnis, was ich erzielt habe.

Gibt es Genre-Vorlieben? Willst du ausschließlich Punkrock-Bands produzieren oder ist dir die Musikrichtung egal?
Ok, also Punkrock ist natürlich schon seit ein paar Jahren mein Ding, aber ich versuche schon alles von Rock, über Punkrock, bis hin zu Hardcore zu machen. Hardcore habe ich hier in den Studios bisher zwar noch nicht aufgenommen, aber es ist schon das Ziel auch in diesem Genre Fuß zu fassen. Pop-Acts & Akustik Stuff würde ich auch gerne produzieren, bzw. habe ich nun teilweise mit Stereo Drama abgehakt, aber Hip-Hop oder R’n’B sind nicht so mein Fall.

 

»Ich hingegen bin immer auf der Seite der Band und versuche, zusammen mit ihnen, die Best-möglichen Aufnahmen herauszuholen…«

 

Warum sollten alle Bands zu dir kommen, und nicht zur Konkurrenz?
Gute Frage (lacht). Da solltest du am Besten eine Band fragen, die hier war. Ich denke, dass ich da über meine Band schon brauchbare Erfahrungen mitbringe. Wir haben selbst bereits ein paar Mal aufgenommen und da kam es öfters vor, dass der Studiobesitzer ein Arsch war, sein Geld wollte und sich nicht um die eigentliche Arbeit gekümmert hat. Ich hingegen bin immer auf der Seite der Band und versuche, zusammen mit ihnen, die Best-möglichen Aufnahmen herauszuholen und nicht gegen sie zu arbeiten. Ich habe da Bock drauf und ich denke, dass dies ein Grund ist, warum ich für Aufnahmen angefragt werde.

Zeit für Anekdoten: Was war das Lustigste, was jemals im Studio passiert ist?
Oh, das kann ich nicht genau sagen (überlegt eine Weile). Ah, als wir mal Drums aufgenommen haben, wollte der Schlagzeuger auf die Toilette, kam aber nicht mehr raus, weil der Türgriff kaputt war. Nach zwei Stunden, und einer vollgepinkelten Bierflasche, konnte es schließlich wieder weitergehen mit den Aufnahmen, und die Türe war auch wieder repariert. (lacht)

Und was war das Dümmste, was jemals im Studio passiert ist?
Bei den Aufnahmen zu „Dead Cats On Mopeds“ fiel irgendwann auf einmal das Aufnahme-Signal aus. Und natürlich sucht man den Fehler erst beim Mikrofon oder beim Equipment der Band, bis wir nach vier Stunden gemerkt haben, dass ganz einfach das Verbindungskabel zwischen Rechner und Mischpult defekt war. Das war wirklich ärgerlich…

Das glaube ich. Wie sind die weiteren Pläne für 2015?
Wie vorher schon erwähnt, kommen nun the Deadnotes ins Studio. Und da ich mit den Jungs ein ganzes Album aufnehmen werde, ist das Studio bis ca.
November belegt. Mit ein, zwei weiteren Bands stehe ich bereits in Kontakt für das restliche Jahr, da ist allerdings noch nix sicher. Man wird sehen.

Das klingt doch super und nach viel Arbeit. Aber mal über das Jahr hinaus betrachtet, wo willst du mit dem „Projekt“ Proudly Ugly hin?
Mein Ziel ist jetzt erstmal zu wachsen, Aufnahme-technisch als auch vom Platz her. Ich will nächstes Jahr evtl. mit dem Studio umziehen, einen größeren Aufnahmeraum, und einen größeren Regieraum haben. Denkbar wäre auch ein Schlafzimmer, gerade für Bands die von weiter weg kommen.

Wow. Da gibt es wohl einiges zu planen für das nächste Jahr. Bisher kannst du vom Recording alleine ja nicht leben, ist die Vollzeit auch ein gestecktes Ziel?
Auf jeden Fall, ich will alleine davon leben können, ohne weitere Jobs oder Ähnliches. Das ist mein größtes Ziel!

Ok als Abschluss noch zwei Dinge: Beschreibe Freiburg in einem Wort:
Cool (lacht).

Vervollständige den Satz: „I belong to…“
„I belong into the background of bands.“

Ich denke mit diesem Abschlussatz ist dann wohl alles gesagt. Checkt die Jungs von Proudly Ugly mal aus, zieht euch die Live-Sessions rein und falls ihr gerade mal eine Aufnahme benötigen solltet, wisst ihr nun auch bescheid! Danke Tiago für die Zeit, stay „Proudly Ugly“!

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