Stab by Stab & More

Das White Rabbit in Freiburg etabliert sich allmählich immer mehr zum Punkrock/Hardcore-Schuppen. Deep in The Woods hatte für diesen speziellen Abend fünf Bands organisiert, der Erlös ging an die Freiburger Straßenschule. Aber nicht nur aufgrund des guten Zwecks fanden viele Menschen den Weg zur Location, auch das Line-Up versprach so einiges.

Der Weg zum White Rabbit ist mittlerweile recht abenteuerlich. Die halbe Stadt ist eine Baustelle und der einzige Zugang zum Club führt einen quasi direkt ins Herzen der Baugrube. Als ich in der Location ankam, hatten True Punch gerade mit ihrem Set begonnen und es ging gefühlt zwei Sekunden, bis ich die Mucke gefeiert habe. Feinster Crossover à la Beastie Boys oder Dog Eat Dog gab es vor den Latz, da durfte ein bandinterner DJ natürlich nicht fehlen, um das Ganze abzurunden. Ich muss ganz ehrlich sein: Ich hab’ seit Längerem keine authentischere Band mehr gesehen. Die Herren hinter den Instrum    enten sind vielleicht auf Papier nicht mehr die Jüngsten, strahlen aber eine Energie aus, die die ganze Location elektrisierte. Das hat richtig Bock gemacht, war niemals gekünstelt, und nachdem es noch ein „Roots Bloody Roots“ Cover – natürlich im eigenen Style – hagelte, blieb mir nur ein Satz im Kopf hängen: Hoffentlich werde ich in ein paar Jahren auch noch so viel Laune am Musik machen haben wie True Punch. Entdeckung des Abends!

Urban Breath durften danach ins Mikro spucken und haben ihren Oldschool Hardcore im ganzen Club versprüht. Im gut gefüllten White Rabbit war man übrigens von der ersten Minute an sehr tanzwütig. Das sieht man nach wie vor nicht so oft, daher sollte das an dieser Stelle erwähnt werden. Auch beim Stuttgarter Quartett war das der Fall. Urban Breath hat gegen Ende des Sets noch das Agnostic Cover „Crucified“ aus dem Hut gezaubert, was beim Herren neben mir fast Freudentränen zur Folge hatte. Leider gibt es hierzu keine Fotos, an der Richtigkeit ist trotzdem nicht zu zweifeln. Die Jungs können aber nicht nur auf der Bühne abliefern, sondern auch beim früh morgendlichen Smalltalk zwischen Weisheit und Whiskey-Cola. Schaut also mal bei einer Show vorbei, falls ihr nicht im Hasen wart!

Up next: die Lokalmatadoren von Selfish Hate. Was soll ich denn noch sagen? Während ich diese Review schreibe, habe ich sie zum siebten Mal im Amplifier-Gebiet gesehen, und in drei Tagen geht es zu H2O und die Vorband lautet: Selfish Hate. Die machen das doch mit Absicht. Checkt die letzten Reviews, da wurde bereits alles gesagt. Fun Fact: Es gab klassischerweise das Beastie Boys Cover „Fight For Your Right“, das nennt man dann wohl einen klassischen 80s/90s-Cover-Hattrick.

Vorletzte Band des Benefiz-Konzerts waren VALE TUDO aus Zürich. Auch hier gab es ein ordentliches Brett Hardcore, mit dem Unterschied, dass die Band zwei Shouter am Start haben und so noch mehr Bums in ihre Songs legen können. Ich habe mittlerweile schon einige Bands mit zwei Frontmännern gesehen, selten haben sich die Stimmen aber besser ergänzt als an diesem Abend. Doch nicht nur die Stimmen haben überzeugt, auch der restlichen Band merkte man deutlich an, dass sie seit über zehn Jahren auf der Bühne stehen. „Abgebrüht“, oder „tight“ wären hier wohl die passenden Wörter. Auch hier kann man wieder den „supportet die Jungs“-Button drücken, denn die Schweizer waren ein weiteres Highlight des Abends. Fun Fact bei dieser Band: Der eine Shouter würde beim „Toby Morse-Lookalike-Contest“ sicher unter den top drei landen! PMA!

Zu guter Letzt fand die Band Stab by Stab den Weg auf die Bühne. Die fünf Holländer haben den Hardcore der vorherigen Bands quasi aufgenommen, aber das Ganze noch mit einer Prise Beatdown nachgewürzt. Da wurde ordentlich durchs Publikum gerührt und auch der eine oder andere Two-Step abgefeuert. Meine persönliche Premiere an diesem Abend: der erste Sänger mit Handschuhen. Von Schlagzeugern kennt man das ja bereits, beim Frontmann am Mikro hab ich das bisher noch nicht gesehen. Ich wollte eigentlich noch die Vorteile abfragen, kam am Ende aber leider nicht mehr dazu. Stab by Stab hatten kurz vor der Show übrigens noch ihre aktuelle Release „Back On Track“ an den Start gebracht und ich hoffe schwer, dass die Scheibe an diesem Abend im White Rabbit ein paar Abnehmer gefunden hatte.

Fünf Bands gab es an diesem Abend, allesamt haben sie Bock gemacht. Bei fünf Kapellen geht mir oftmals die Puste aus. Die Musiker prügeln sich auf die Bühne, zocken ihr Set in Lichtgeschwindigkeit ohne Pausen runter und machen Platz für den nächsten Act. Das kann für Zuhörer ganz schön anstrengend werden, aber an diesem Abend ist dieses Gefühl zu keinem Zeitpunkt in Erscheinung getreten. Jede Band war auf ihre Art und Weise „Outstanding“. Wenn dann die Kohle noch einem guten Zweck zugunsten kommt, macht es den schönen Abend noch besser. Matze over and out.

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